Der jüngste Kraftstoffpreisschock infolge des Konflikts im Iran erinnert an eine einfache Regel: Geopolitische Störungen spiegeln sich in erster Linie in den Energiepreisen wider. Dies zeigte sich bereits zu Beginn des Krieges in der Ukraine, als es fast ein Jahr dauerte, bis sich die Kraftstoffpreise stabilisierten.
Mit steigenden Kraftstoffpreisen erzielen Regierungen in der Regel höhere Steuereinnahmen. Dadurch entsteht die Möglichkeit, zusätzliche Mittel gezielt in die am stärksten betroffenen Wirtschaftssektoren zu lenken. Marktteilnehmer haben klare Erwartungen: Regierungen sollten nicht zögern, sondern entschlossen handeln, um insbesondere jene Branchen zu unterstützen, in denen Kraftstoff einen wesentlichen Kostenanteil ausmacht.
Heute ist Europa erneut in zwei Lager gespalten. Einige Länder senken die Preise auf ihren Binnenmärkten schnell und entschlossen, teilweise sogar aggressiv. Andere beobachten, analysieren und wägen ihre Optionen ab. Litauen hat sich bislang für einen vorsichtigeren Ansatz entschieden.
Wie haben andere europäische Länder reagiert?
Die meisten Regierungen setzen auf Maßnahmen, die den Verbrauchern die schnellste Entlastung bringen — insbesondere Senkungen der Verbrauchsteuern und der Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe.
Italien, Portugal, Österreich, Slowenien und Ungarn gehörten zu den ersten Ländern, die die Verbrauchsteuern senkten; Italien reduzierte sie vorübergehend um bis zu 30%. Spanien ging noch weiter: Neben der Senkung der Verbrauchsteuern wurde die Mehrwertsteuer von 21% auf 10% reduziert und eine gezielte Subvention von 0,20 Euro pro Liter eingeführt.
Einige Länder entschieden sich für indirekte Maßnahmen. Ungarn und die Slowakei führten Preisobergrenzen ein, die diesmal nur für inländische Verbraucher gelten, um Tanktourismus und Engpässe zu vermeiden.
Rumänien ermöglicht es Transportunternehmen, einen Teil der gezahlten Verbrauchsteuer bis zum Jahresende zurückzufordern.
Polen verfolgt ein kombiniertes Modell: Senkung der Mehrwertsteuer von 23% auf 8%, Reduzierung der Verbrauchsteuern und Einführung von Preisobergrenzen. Das Ergebnis sind einige der niedrigsten Kraftstoffpreise in Mitteleuropa.
In den Ländern, die am schnellsten reagierten — Polen, Spanien und Slowenien — sind die Preise bereits unter 2 Euro pro Liter gefallen.
Internationale Transportunternehmen erhalten nicht ausreichend Unterstützung
Die entscheidende Frage ist, wie gut Litauen darauf vorbereitet ist, seine Wirtschaft zu unterstützen.
Litauen plant, die Erhöhung der Verbrauchsteuern auszusetzen und hat die Dieselsteuer gesenkt.
Dies ist zwar ein positiver Schritt für inländische Unternehmen, reicht jedoch für internationale Transportunternehmen nicht aus. Kraftstoff bleibt in Polen etwa 15% günstiger.
Aufgrund unattraktiver Preise verliert Litauen zunehmend an Attraktivität. Daten zeigen eine Verlagerung des Tankens in Nachbarländer.
Die Preisunterschiede bleiben erheblich, während ein zentraler Exportsektor — der internationale Straßengüterverkehr — weiterhin keine gezielten Maßnahmen erhält.
Kommentar von Loreta Augulytė, CEO von Edenred Finance
